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Rendite

Rendite im Exposé richtig lesen: Rohertrag, Anfangsrendite, IRR und Steuereffekt

Warum dieselbe PV-Anlage mit 7,6 % oder mit minus 8,1 % ausgewiesen werden kann und mit welchen Fragen Sie eine Renditeangabe vergleichbar machen.

Stand 2026-10-14 · Wattvestor Redaktion · Fachlich geprüft: Legal Advisor, 14.10.2026, PV-Experte, 14.10.2026 · Nächste Prüfung 2027-04-14

Rendite im Exposé richtig lesen: Rohertrag, Anfangsrendite, IRR und Steuereffekt

Eine Renditeangabe in einem PV-Exposé ist erst vergleichbar, wenn klar ist, was ins Verhältnis gesetzt wird, über welchen Zeitraum und ob Kredit und Steuern eingerechnet sind. Dieser Artikel zeigt an einer Beispielanlage, wie weit die Zahlen je nach Rechenweg auseinanderliegen, und gibt Ihnen fünf Fragen an die Hand, mit denen Sie jede Angabe einordnen können.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine allgemeine Information. Er ist keine Steuerberatung, keine Rechtsberatung und keine Anlageberatung und berücksichtigt nicht Ihre persönlichen Verhältnisse. Lassen Sie Ihre Entscheidung von einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater und bei Bedarf weiteren Fachleuten prüfen. Alle Rechnungen beruhen auf erfundenen Werten. Stand: 14.10.2026.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dieselbe Beispielanlage ergibt je nach Kennzahl 7,6 % (Erlös zu Kaufpreis), 4,8 % (Anfangsrendite), 2,4 % (Überschuss auf Eigenkapital in den tilgungsfreien Jahren eines KfW-Kredits), minus 2,5 % (Projekt-IRR über 20 Jahre) oder minus 8,1 % (Überschuss auf Eigenkapital nach Zins und Tilgung).
  • Statische Kennzahlen beschreiben ein Jahr. Sie enthalten keinen Rückfluss des eingesetzten Kapitals.
  • Eine Rendite auf das Eigenkapital hängt vom Kredit ab. Sie sagt wenig über die Anlage selbst.
  • Steuereffekte aus Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung verschieben Steuerzahlungen zeitlich (§ 7g EStG). Vergleichen Sie Angebote zuerst vor Steuern.
  • In einer eigenen Marktrecherche von Wattvestor reichten die von Anbietern beworbenen Renditen auf einem Online-Marktplatz für PV-Anlagen von rund 10 % bis über 30 %, ohne einheitliche Methodik (Stichprobe, Stand 13.10.2026). Das sind Werbeangaben der Anbieter, keine erzielten Renditen.

Welche Zahl steckt hinter „Rendite“?

Begriff im Exposé Was meist gemeint ist Worauf Sie achten
Rohertrag, Bruttorendite Stromerlös eines Jahres / Kaufpreis Betriebskosten fehlen ganz
Anfangsrendite, Nettorendite, Nachkostenrendite Betriebsergebnis des ersten Jahres / Kaufpreis welche Kosten abgezogen sind, siehe Betriebskosten im Exposé prüfen
Eigenkapitalrendite, Ausschüttungsrendite Überschuss nach Zins (und Tilgung) / Eigenkapital Zins, Fremdkapitalquote, tilgungsfreie Jahre
IRR, interner Zinsfuß Verzinsung über die ganze Laufzeit Laufzeit, Erlös nach Förderende, Restwert, Degradation, Kostensteigerung
Gesamtrückfluss in % Summe aller Rückflüsse / Kaufpreis ob der Kaufpreis selbst schon eingerechnet ist
Rendite nach Steuern IRR oder Überschuss nach Steuerwirkung angenommener Steuersatz, IAB, Sonder-AfA

Die Begriffe sind gesetzlich nicht festgelegt. Der gleiche Name kann in zwei Exposés zwei verschiedene Formeln bedeuten. Die Formeln und ihre Grenzen erklärt Anfangsrendite, Kaufpreisfaktor und IRR im Vergleich im Detail.

Beispielrechnung: eine Anlage, sieben Kennzahlen

Beispiel mit erfundenen Werten. Angebot A aus dem Artikel Kaufpreis je kWp, hier zu einem Kaufpreis von 700 €/kWp wie im Artikel Kapitaldienstdeckungsgrad. Die Anlage gibt es nicht.

Annahmen je kWp: Ertrag 1.105 kWh/kWp im ersten Jahr (Fraunhofer ISE 2024, Region Mitte und Osten), Vergütung 4,79 ct/kWh über 20 Jahre (mittlerer Zuschlagswert zum 01.07.2026, BNetzA), Betriebskosten 19,30 €/kWp im ersten Jahr mit 2 % Steigerung im Jahr nominal (ZSW 2024), Degradation 0,5 % im Jahr. Erlös im ersten Jahr 52,93 €, Betriebsergebnis 33,63 €.

Kennzahl Rechnung Ergebnis
Rohertrag (Erlös / Kaufpreis) 52,93 / 700 7,6 %
Anfangsrendite (Betriebsergebnis / Kaufpreis) 33,63 / 700 4,8 %
Überschuss auf Eigenkapital, 80 % Kredit, tilgungsfreie Jahre, Zins 5,40 % (KfW 270, 20 Jahre, 3 tilgungsfreie Jahre, 20 Jahre Zinsbindung, maximaler Sollzins Preisklasse A, Stand 09.10.2026) (33,63 minus 30,24) / 140 2,4 %
dasselbe mit 5,0 % Zins (Wattvestor-Standardzins) (33,63 minus 28,00) / 140 4,0 %
Überschuss nach Zins und Tilgung, Annuität 5,0 % über 20 Jahre (33,63 minus 44,94) / 140 minus 8,1 %
Projekt-IRR über 20 Jahre, ohne Restwert Zahlungsreihe Jahr 1 bis 20 minus 2,5 %
Projekt-IRR über 30 Jahre, 4,508 ct/kWh ab Jahr 21 (Jahresmarktwert Solar 2025) Zahlungsreihe Jahr 1 bis 30 minus 0,4 %

Was das heißt: Die Spanne reicht von 7,6 % bis minus 8,1 %, ohne dass sich an der Anlage etwas ändert. Die Summe der Betriebsergebnisse über 20 Jahre beträgt 541 € je kWp, also rund 77 % des Kaufpreises. Über die Förderdauer kommt das eingesetzte Kapital nicht vollständig zurück. Die statischen Werte zeigen das nicht. Der Überschuss in den tilgungsfreien Jahren blendet die Tilgung aus. Sobald getilgt wird, reicht das Betriebsergebnis im Beispiel nicht mehr für den Kapitaldienst, und die Lücke zahlt der Investor. Der Zins von 5,40 % ist der Höchstsatz der besten Preisklasse laut KfW-Konditionen mit Stand 09.10.2026. Der vereinbarte Zins kann darunter oder in einer schlechteren Preisklasse darüber liegen, und die Konditionen ändern sich laufend. Ob und zu welchen Bedingungen ein Kredit gewährt wird, entscheiden Hausbank und KfW im Einzelfall. Die Rechnung ist ein Rechenbeispiel und bezieht sich auf kein konkretes Angebot.

Fünf Fragen an jede Renditeangabe

  1. Was steht im Zähler? Erlös, Betriebsergebnis, Ausschüttung oder Überschuss nach Kredit.
  2. Was steht im Nenner? Kaufpreis netto, Gesamtinvestition mit Nebenkosten oder nur das Eigenkapital.
  3. Welcher Zeitraum? Ein Jahr, 20 Jahre Förderdauer oder 30 Jahre mit Erlös nach Förderende. Welcher Strompreis gilt ab Jahr 21, und ist die Fläche so lange gesichert?
  4. Mit oder ohne Kredit? Zins, Laufzeit, tilgungsfreie Jahre und Fremdkapitalquote müssen genannt sein. Zur Wirkung des Kredits siehe Eigenkapital, Tilgung und Zinsbindung.
  5. Vor oder nach Steuern? Wenn nach Steuern: welcher Steuersatz, welche Abschreibung, welcher Investitionsabzugsbetrag. Lassen Sie sich zusätzlich den Wert vor Steuern geben.

Fordern Sie die Cashflow-Rechnung als bearbeitbare Tabellendatei an. Dann sehen Sie Ertrag, Vergütung, jede Kostenposition und die Annahmen für jedes Jahr.

Steuerwirkung ist kein Ertrag der Anlage

Viele Angebote werben mit dem Investitionsabzugsbetrag und der Sonderabschreibung nach § 7g EStG. Beide verschieben steuerpflichtigen Gewinn in spätere Jahre. Über die Nutzungsdauer summieren sich alle Abzüge auf die Anschaffungskosten. Ein Vorteil entsteht vor allem aus dem Zeiteffekt und wenn der Steuersatz später niedriger ist. Die Anlage erzeugt dadurch keine einzige Kilowattstunde mehr.

Eine Rendite nach Steuern hängt deshalb stark von Ihrer persönlichen Lage ab: Steuersatz heute und später, Gewinngrenze, Haltedauer. Sie ist nur für Ihren Fall aussagekräftig und gehört in die Prüfung durch Ihre Steuerberatung. Die Regeln beschreibt Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG.

Typische Fehler beim Vergleich

  • Rohertrag des einen Angebots mit der Anfangsrendite des anderen vergleichen.
  • Eigenkapitalrendite mit Kredit gegen Projektrendite ohne Kredit stellen.
  • IRR über 30 Jahre mit der Förderhöhe der ersten 20 Jahre rechnen.
  • Einen Restwert am Ende ansetzen, ohne gesicherte Fläche und ohne Rückbaukosten.
  • Rendite nach Steuern mit einem Steuersatz rechnen, der nicht Ihrer ist.
  • Eine Ertragsangabe übernehmen, die über PVGIS liegt und nicht durch ein unabhängiges Gutachten belegt ist, siehe Ertragsgutachten prüfen.

So rechnet Wattvestor

  • Auf der Angebotskarte steht die Anfangsrendite K8 = Betriebsergebnis des ersten vollen Betriebsjahres / Kaufpreis, vor Steuern und ohne Finanzierung.
  • Liegt die Ertragsangabe mehr als 5 % über PVGIS und fehlt ein unabhängiges Ertragsgutachten, oder liegt sie mehr als 10 % darüber, rechnet die Methodik mit dem PVGIS-Wert plus 5 %. Liegt ein unabhängiges Gutachten vor, gilt dessen P50 als Einspeisung am Netzverknüpfungspunkt, höchstens die Angabe des Anbieters. Die Einzelheiten stehen in Ertragsgutachten prüfen.
  • Den Kredit bildet der Kapitaldienstdeckungsgrad K13 ab, mit einer einheitlichen Standardfinanzierung für den Vergleich.
  • Steuereffekte rechnet Wattvestor nicht in die Kennzahlen ein. Einen IRR weist die Methodik derzeit nicht aus.

Häufige Fragen

Warum nennen Anbieter für ähnliche Anlagen so unterschiedliche Renditen?

Hinter der Zahl stehen verschiedene Kennzahlen: Erlös oder Betriebsergebnis im Verhältnis zum Kaufpreis, Überschuss auf das Eigenkapital nach Zinsen oder ein interner Zinsfuß über 20 oder 30 Jahre, vor oder nach Steuern. Im Wattvestor-Beispiel ergibt dieselbe Anlage je nach Kennzahl 7,6 %, 4,8 %, 2,4 %, minus 2,5 % oder minus 8,1 %.

Was ist der Rohertrag einer PV-Anlage?

Der Begriff ist nicht einheitlich definiert. Meist ist der Stromerlös eines Jahres im Verhältnis zum Kaufpreis gemeint, also vor Betriebskosten. Fragen Sie nach der Formel. Für den Vergleich ist die Anfangsrendite auf das Betriebsergebnis aussagekräftiger.

Ist die Steuerersparnis Teil der Rendite?

Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung verschieben Steuerzahlungen zeitlich. Über die Nutzungsdauer bleibt die Summe der Abzüge gleich den Anschaffungskosten. Ein Vorteil entsteht vor allem aus dem Zeiteffekt und aus unterschiedlichen Steuersätzen. Vergleichen Sie Angebote deshalb zuerst vor Steuern.

Welche Rendite zeigt Wattvestor auf der Angebotskarte?

Die Anfangsrendite K8: Betriebsergebnis des ersten vollen Betriebsjahres geteilt durch den Kaufpreis, vor Steuern und ohne Finanzierung. Sie dient zum Vorsortieren und zeigt keinen Rückfluss des Kapitals.

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Quellen

  1. Fraunhofer ISE, Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien, Juli 2024, Tabellen 2 und 3: https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/DE2024_ISE_Studie_Stromgestehungskosten_Erneuerbare_Energien.pdf, abgerufen am 13.10.2026
  2. ZSW im Auftrag des BMWK, Stromgestehungskosten von PV-Freiflächenanlagen, Oktober 2024: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Downloads/Energie/stromgestehungskosten-photovoltaikanlagen-freiflaechenanlagen.pdf?__blob=publicationFile&v=8, abgerufen am 13.10.2026
  3. Bundesnetzagentur, Pressemitteilung vom 18.08.2026, Ausschreibung Solar erstes Segment zum 01.07.2026: https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/20260818_Solar1.html, abgerufen am 13.10.2026
  4. netztransparenz.de, Marktwertübersicht: https://www.netztransparenz.de/de-de/Erneuerbare-Energien-und-Umlagen/EEG/Transparenzanforderungen/Marktpr%C3%A4mie/Marktwert%C3%BCbersicht, abgerufen am 13.10.2026
  5. § 7g EStG: https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__7g.html, abgerufen am 14.10.2026
  6. Wattvestor-Marktrecherche, KPIs und Datenfelder im PV-Investmentmarkt, Stand 13.10.2026 (eigene, nicht veröffentlichte Auswertung öffentlich sichtbarer Angebotsangaben; Stichprobe, nicht repräsentativ)

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Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung.